Microsoft nimmt Samba ins Visier

Microsoft hat in seinem seit langem andauernden Streit mit den Entwicklern von Open Source-Software ein neues Kapitel aufgeschlagen - möglicherweise mit kartellrechtlichen Folgen.


Ende März hatte Microsoft ein Dokument veröffentlicht, in dem beschrieben wird, wie Dritt-Entwickler das Common Internet File Sharing (CIFS) nutzen können, ein von Microsoft erstelltes Protokoll für den Dateizugriff auf Windows-PCs in Netzwerken.

Dieses Dokument sollte das Schreiben von Software unter Verwendung des CIFS erleichtern, stattdessen enthält es jedoch eine entscheidende Einschränkung, die manchen Entwicklern das Leben schwer macht.

Genauer gesagt, verlangt Microsoft von den Programmierern die Unterzeichnung einer Vereinbarung, welche die Verwendung der in dem Dokument enthaltenen Informationen für die Entwicklung von Software auf Basis der General Public License (GPL) verbietet. Unter den von dieser Einschränkung betroffenen Produkten ist auch Samba, eine weit verbreitete Software, die eine Alternative zu der im Microsoft-Betriebssystem Windows verwendeten Technologie für gemeinsamen Dateizugriff darstellt. Samba nutzt das CIFS-Protokoll zur Kommunikation mit Client-Systemen.

„Ganz einfach eine Frechheit“, meinte Jeremy Allison, einer der Leiter des Samba-Projekts. Er bezeichnete die Microsoft-Vereinbarung als einen „direkten Angriff“ auf Samba und die GPL.

Noch ist unklar, ob Microsoft tatsächlich rechtliche Schritte gegen Programmierer plant, die in dem Dokument enthaltene Informationen für GPL-Codes verwenden, doch schon allein eine solche Androhung ist bedenklich.

Die Folgen dieser Androhung erstrecken sich bei weitem nicht nur auf selbsternannte Hobby-Programmierer, welche die Initiative der Open Source-Systeme gestartet hatten. Auch viele Partner von Microsoft, darunter IBM und Hewlett-Packard, nutzen Samba und andere Open-Source-Pakete, Sun Microsystems greift im zunehmend härteren Kampf mit Microsoft auf offene Systeme zurück, und sogar Intel, ein treuer Verbündeter von Microsoft, hat in Open-Source-Linux-Unternehmen investiert.

Dieses Thema spielt auch im Kartellrechtsverfahren gegen Microsoft eine Rolle. Neun amerikanische Bundesstaaten sowie der District of Columbia fordern härtere Sanktionen gegen den Software-Riesen als sie die im November erzielte Einigung mit der US-Justizbehörde und neun anderen Bundesstaaten vorsieht. Einige der von den Vertretern der neun klagenden Staaten vorgebrachten Anträge betreffen auch die Themen CIFS und Samba.

Microsoft weist darauf hin, dass die Veröffentlichung der CIFS-Dokumentation der vorgeschlagenen Einigung mit der US-Justizbehörde und den betreffenden neun Bundesstaaten entspricht.

Kritiker bemängeln jedoch, dass die von Microsoft eingesetzte Lizenz-Vereinbarung einen von Microsofts „erfolgreichsten Konkurrenten“ behindern könnte.

Die Free Software Foundation (FSF), Urheber und Befürworter der GPL, ist der Meinung, dass Microsoft die Kartellrechts-Einigung in einen „Angriff“ auf GPL-Programmierer ummünze. Die FSF nennt dabei zwei Microsoft-Patente, zu denen die Lizenz-Vereinbarung den Programmierern kostenfreien Zugriff gewährt.

„Nun setzen sie ihre Patent-Sammlung als letztes Mittel gegen uns ein“, so der FSF Executive Director Bradley M. Kuhn in einer Stellungnahme zur Veröffentlichung der technischen Dokumentation durch Microsoft.

Die Samba-Software sorgt dafür, dass Linux- und Unix-basierte Server als Windows-Server erkannt werden, um so eine problemlose Kommunikation mit Windows-PCs zu ermöglichen. Da bereits durch einen amerikanischen Bundesrichter festgestellt wurde, dass Microsoft im Bereich der Betriebssysteme für Desktop-Computer ein Monopol besitzt, ist die Fähigkeit konkurrierender Server-Systeme zur Zusammenarbeit mit Windows-PCs ein zentraler Punkt der Frage, ob das Unternehmen wettbewerbswidrig vorgeht, indem es versucht, sein Monopol auf den Server-Markt und andere Bereiche auszuweiten. Die Desktop-Server-Kommunikation ist außerdem Gegenstand einer privaten Kartellrechtsklage von Sun Microsystems gegen Microsoft.

Das im März veröffentlichte Dokument bezieht sich zwar auf ältere Software von Microsoft, doch für den Sommer wird die Offenlegung weiterer Informationen erwartet, welche sich für zahlreiche Entwickler als noch nachteiliger herausstellen könnten.

Besagtes Dokument beschreibt das CIFS für Windows NT 4.0, welches 1996 eingeführt wurde. Microsoft plant für August die Veröffentlichung von Daten zum CIFS-Protokoll für die neueren Systeme Windows 2000 und Windows XP. Sollte die gegenwärtig geltende Einschränkung der CIFS-Nutzung auch auf das neue Dokument angewandt werden, könnten die Samba-Entwickler und andere Programmierer die veröffentlichten Informationen nicht für Software verwenden, die mit diesen neueren Produkten arbeitet.

 

Themenseiten: Betriebssystem, Linux, Open Source

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