Neben einigen auffälligen Verbesserungen gegenüber dem kürzlich getesteten Windows-Modell Vobis Power Basic 1 XD sollte man aber nicht übersehen, dass Vobis ein anderes Mainboard eingebaut hat, ebenfalls von Biostar und ebenfalls mit Via-Chipsatz. Doch besitzt das M7VIQ zwei Speicherbänke weniger als das zuvor verwendete Modell. Allerdings müssen beide mit PC2100-DDR-RAM bestückt werden, und so ist der Speicher des Linux-PCs nicht nur doppelt so groß wie der des Windows XP-Modells, sondern auch doppelt so schnell.

Zudem besitzt das Biostar-Board zwar integrierte Grafik, doch wird diese nicht in Anspruch genommen, da Vobis dem Linux-Modell eine Noname-Radeon VE-Karte mit 32 MByte Speicher verpasst. Entsprechend wird auch kein wertvoller Hauptspeicher für Grafik belegt. Vobis spricht auf der Unternehmens-Website von 64 MByte Grafikspeicher, dies trifft aber auf das Testgerät nicht zu.

Gleich geblieben ist überdies die Ausbaufähigkeit: Drei PCI-Steckplätze sind frei, dazu ein CNR, das Gehäuse bietet noch jede Menge Platz, etwa für einen CD-Brenner oder eine weitere Festplatte – mehr Platz als man vermutlich benötigt. Für sehr kleine Büros könnte der Standard-Tower gar zum Problem werden. In dem Fall müsste man eben doch mehr als 400 Euro für einen ergonomisch besseren PC ausgeben.

Das Gehäuse des Testgeräts bietet zwar die Möglichkeit, an der Vorderseite Anschlüsse (zwei USB und die Audio-Ports) zu installieren, doch hat Vobis dies nicht in Anspruch genommen.

Das Thema Benutzerfreundlichkeit ist es auch, das über jeder Diskussion des Betriebssystems stehen muss. Ein vorinstalliertes Linux auf einem Billig-PC einer großen PC-Kette; ein ideales Einsteigergerät in eine Einsteiger-Preisklasse? Dazu fehlt dem Vobis-PC eines: ein gedrucktes Handbuch.

Denn das vorinstallierte Suse-Linux fährt problemlos hoch, und mit den beiliegenden Passwörtern kann man sich entweder als Administrator („mit Root-Zugriff“) oder Anwender einloggen und zu arbeiten beginnen. Die Office-Suite OpenOffice liegt als Paket bereit; startet man zum ersten Mal eines der zugehörigen Programme über die grafische Benutzeroberfläche KDE, wird sie schnell installiert, ohne dass es eine CD bräuchte. Als Linux-Unkundiger kann man erst einmal staunen über die Ähnlichkeit mit Microsofts oder Apples Benutzeroberflächen: Alles kein Problem. Und eine Kommandozeile bekommt man nicht einmal zu sehen, wenn man nicht will. Stattdessen hat Vobis als Hintergrund des Administrator-Bildschirm eine Bombenleger-Grafik als kleine Warnung vor unbedachten Änderungen am System eingebaut.

Schwieriger ist die Einrichtung eines Netzwerkes. Zwar findet man leichter als in Windows XP die relevanten Reiter und Einträge im Konfigurationstool YAST, aber wie sind sie zu benutzen? Automatischer Bezug einer IP-Adresse funktioniert nicht; vergibt man aber die IP-Adresse von Hand, kann auch der DNS-Server nicht automatisch gefunden werden. Ausprobieren hilft, aber ein Handbuch – das wär’s. Übrigens ist natürlich ein Handbuch auf der Suse-CD vorhanden, sodass man eben doch nachschauen kann, aber offline einarbeiten ist nicht.

Weitere Schwierigkeiten sind das Fehlen eines Software-DVD-Players, den man bei Windows-PCs selbstverständlich erwarten könnte, wenn ein entsprechendes Laufwerk eingebaut ist. Wer nicht daran gewohnt ist, dass Wechselmedien „gemountet“ werden, also ein verwendetes DVD-Laufwerk nicht per Knopfdruck aufspringt, wird überrascht schauen.

Wer sich mit Linux ein wenig auskennt, wird mit der gründlichen und anwenderfreundlichen Konfiguration kein Problem haben. Aber die meisten Anwender, die diesen Rechner nutzen, sind vermutlich Linux-Neulinge, auch wenn sie Windows-Erfahrung haben. Schließlich wirbt Vobis für den PC mit der Devise „Die Zeit ist jetzt reif für Linux… „. Es wurde die Chance verpasst, ihnen durch ein gedrucktes Handbuch oder auch nur ein kurze Anleitung „Erste Schritte“ mit Hinweisen zur Netzwerk-Installation und zur Linux-Philosophie zu helfen. Und für Anwender mit Linux-Kenntnissen ist der vorinstallierte Rechner auch nicht mehr so interessant: Sie haben sicher eine oder mehr Distributionen im Schrank stehen und können sie selbst installieren – um im billigsten Preissegment noch einmal Geld zu sparen.

Wie schon beim Vobis Power Basic 1 XD wurde ein wirklich billiges System zusammengebaut, das komplett ohne weitere Hard- und Software für den Einsatz als Zweit-PC oder Arbeitsgerät taugt. Der doppelt so große, schnellere Speicher ist ein klarer Gewinn gegenüber dem Windows-Modell, aber wer neu bei Linux ist, sollte die zusätzliche Anschaffung einer aktuellen Suse-Linux-Distribution allein wegen des (bei Suse-Linux übrigens hervorragenden) Handbuchs erwägen. Außerdem besteht die Möglichkeit, mit ein wenig Know-how und Geschick zwei zusätzliche USB-Anschlüsse an der Vorderseite einzubauen und das Gerät ergonomisch zu verbessern.

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