Das junge Unternehmen Archos Technology hat die Pläne von Creative Labs durchkreuzt, den Markt der tragbaren, Festplatten-basierten MP3 Player zu dominieren, indem es Ende vergangenen Jahres die Jukebox 6000 präsentierte. Mit ihrem kompakteren Format und einem – zu Beginn – günstigeren Preis behauptete sich die Jukebox 6000 gegen die Discman-förmige Nomad Jukebox von Creative Labs. Jetzt, wo Creative gerade die zweite Generation seiner Jukebox vorbereitet, hat Archos mit seinem neuen HD-MP3 Recorder die Messlatte höher gelegt – dem ersten portablen MP3-Player, der Audio-Daten direkt aufnimmt und sie gleich im Gerät ins MP3-Format umwandelt.

Aufnehmen ohne PC

Die Vorteile der integrierten MP3-Aufnahme werden für den offensichtlich, der gerade keinen PC zur Verfügung hat und Audiodateien von einer beliebigen Quelle im MP3-Format speichern will. Wer zum Beispiel eine CD auf dem Discman eines Freundes gehört hat und einige Stücke aufnehmen will, schließt einfach ein Kabel vom Ausgang des CD-Spielers an den analogen oder digitalen Eingang des MP3-Recorders an und schon kann es losgehen. Ebenso in dem Fall, dass jemand eine selbsterstellte Kasette im Keller findet, von der er noch eine digitale Kopie braucht, bevor sich die Kasette in ihre Bestandteile auflöst. Die Nomad Jukebox dagegen nimmt nur im WAV-Format auf, das erst auf den PC übertragen werden muss, um es danach ins MP3-Format umzuwandeln.

Der Jukebox HD-MP3 Recorder erlaubt es, die Sampling-Rate einzustellen, (von 16 KHz bis 48,1 KHz, was CD-Qualität entspricht), ebenso die Enkodier-Qualität (auf einer Skala von 1 bis 7, wobei 5 gute Qualität bietet). Besser als diese etwas willkürliche Skala wäre eine genaue Einstellung der Bitrate gewesen. Auch die Aufnahmelautstärke lässt sich einstellen, wobei meist die voreingestellte ausreicht.

Keine Möglichkeit zum Editieren

Leider ist der Aufnahmevorgang etwas unkomfortabel. Wer nicht eine ganze CD als einen einzigen Track aufnehmen will, muss die Aufnahme unterbrechen, um jedes Stück als einzelne Datei zu erhalten. Die Jukebox nimmt in Echtzeit auf, im Gegensatz zu Ripping-Software, die Musik in einem Bruchteil der Zeit aufnehmen und umwandeln kann, die zum Abspielen benötigt würde. Es gibt auch keine praktible Möglichkeit, das direkt Aufgenommene zu bearbeiten. Um zum Beispiel eine überflüssige Pause von zehn Sekunden am Beginn eines Songs herauszuschneiden, bleibt nur das umständliche Überspielen auf den PC und anschließendes Bearbeiten mit einem Audio-Editor. Deshalb ist die Aufnahmefunktion des Player wirklich nur für dringende Fälle zu empfehlen. Letztendlich werden viele zum alltäglichen Rippen von MP3s von Audio-CDs doch das CD-ROM-Laufwerk ihres PCs bevorzugen.

Auch zur Sprachaufzeichnung ist der Jukebox HD-MP3 Recorder zu gebrauchen. Mit der Kapazität von 6 GByte könnte man wahrscheinlich das Telefonbuch von Manhattan aufsprechen und hätte immer noch Platz für andere Dateien. Dazu muss man allerdings ein Mikrofon anschließen.

Bessere Anzeige und Navigation

Da die neue Version im gleichen Gehäuse wie die Jukebox 6000 steckt, wäre es für Archos leicht gewesen, das Design beizubehalten und nur die Aufnahmefunktion hinzuzufügen. Lobenswerterweise hat die Firma aber die Gelegenheit genützt und einige Probleme der Vorgängerversion beseitigt. Zum einen hat Archos die Schriftgöße der LCD-Anzeige verringert. Normalerweise führt so etwas beim Nutzer zu überanstrengten Augen, aber in diesem Fall ist der Umgang sogar komfortabler geworden, weil der Player so viel mehr Information auf dem Display darstellen kann. Zum Beispiel zeigt er nun im Hauptmenü mehrere Tracks an, so dass der Nutzer schnell durch die Song-Sammlung blättern kann, anstatt nur nach links und rechts innerhalb eines Stückes.

Archos hat auch einen speziellen Ausschalter hinzugefügt, sowie drei kleine Navigationsschaltflächen. Während ein Stück spielt, steuern die beiden Knöpfe für aufwärts und abwärts die Lautstärke. Im Gegensatz dazu musste man beim 6000er-Modell in die Submenüs navigieren, um die Lautstärke zu ändern. Der HD-MP3 Recorder kommt auch mit einem neuen Kopfhörer daher – faltbare Nackenkopfhörer – die gute Klangwiedergabe und einen handlichen Lautstärkeregler bieten. Das ist besonders für MP3s aus dem Internet nützlich, die ja oft nicht korrekt ausgesteuert sind. Die Kopfhörer sitzen nicht ganz perfekt, also sind zusätzliche 40 bis 60 Mark für bessere Kopfhörer keine Fehlinvestition. Trotzdem sind die mitgelieferten besser als die vieler anderer tragbarer Player.

Kein Windows Media

Ein paar Schwachpunkte haben wir aber auch bei der neuen Jukebox gefunden. Obwohl sie und die Jukebox 6000 Upgrade-fähige Firmware besitzen, unterstützt keiner der beiden Player Windows-Media-Dateien. Die Navigation kann verwirrend werden, so dass man auf das 30-seitige Handbuch angewiesen ist. Und wäre es wirklich so schwer gewesen, einen UKW-Empfänger miteinzubauen, so dass man für den Empfang von Bundesliga oder Nachrichten nicht ein Extra-Gerät mit sich herumzuschleppen braucht?

Diese Kritikpunkte sind jedoch untergeordnet. Archos hat einen Erfolg weiter verbessert und den Wettbewerb mit dem integrierten MP3-Encoder verschärft. Der HD-MP- Recorder legt die Messlatte bei der Performance höher gelegt, und es bleibt abzuwarten, ob der Nachfolger von Creative Labs‘ Nomad Jukebox mithalten können wird.

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